Februar 2023 - Deutlich zu mild und zu nass
Rückblick der Wetterstation Eggerszell (490 m ü. NN)
Unwetterartige Schneefälle zu Monatsbeginn
Der diesjährige Februar startete winterlich mit sehr ergiebigen
Schneefällen. Der 02.02.2023 ging als der bisher spektakulärste Wintertag seit
Aufzeichnungsbeginn im Jahr 2007 ins Datenarchiv der Wetterstation Eggerszell
ein. Bereits kurz nach Mitternacht setzten am 02. Februar 2023 aus Nordwesten
länger anhaltende, gewittrige Schneefälle ein. Bis zu den Morgenstunden konnten
in Eggerszell gleich drei Wintergewitter mit einer Vielzahl an lauten
Donnerschlägen und schneesturmartigen Verhältnissen verzeichnet werden. Mehrere
Erdblitze schlugen dabei an den Windrädern bei Wiesenfelden ein. Tagsüber hielt
anschließend der teils sehr starke und ergiebige Dauerschneefall verbreitet in
Ostbayern weiter an. Da es in Eggerszell zeitweise bei Werten um bzw. knapp
über dem Gefrierpunkt schneite, handelte es sich um sehr nassen und schweren
Pappschnee, sodass es zu unwetterartigem Schneebruch in den Wäldern kam. Die
Feuerwehren im nördlichen Landkreis Straubing-Bogen waren bis zum
darauffolgenden Tag fast pausenlos damit beschäftigt die Straßen von
herabfallenden Ästen und umgestürzten Bäumen zu befreien. Es gab gerade in
tiefen/mittleren Lagen unterhalb ca. 750 m Höhe den schwersten Schneebruch seit
über 25 Jahren. In Eggerszell konnten am Messfeld der Wetterstation auf 490
Meter Höhe am 02.02.2023 innerhalb 24 Stunden 35 Zentimeter sehr schwerer Neuschnee
gemessen werden, was über 40 Millimeter Niederschlag ausmachte. Lediglich
wenige Höhenmeter weiter oben gab es beispielsweise am nur einen Kilometer
entfernten Pilgramsberg (620 Meter) binnen 24 Stunden rund 60 Zentimeter
Neuschnee. Noch extremer fielen die Neuschneemengen am besagten Tag in und rund
um St. Englmar aus. Am Kammbereich des Vorderen Bayerwaldes fielen nämlich
innerhalb nur eines Tages 80 bis 90 Zentimeter Neuschnee, was teilweise sogar
zu neuen Rekorden bezüglich der höchsten je gemessenen Neuschneemengen
innerhalb 24 Stunden führte. Die maximalen Schneehöhen erreichten in den
Morgenstunden des 03.02.2023 beispielsweise 90 Zentimeter in St.
Englmar-Hinterwies und rund 100 Zentimeter auf den obersten Gipfellagen
zwischen Pröller und Hirschenstein. Grund für die extremen Neuschneefälle war
eine scharfe Luftmassengrenze, welche diagonal über Deutschland lag und von
Nordrhein-Westfalen bis hinunter ins südöstliche Bayern verlief. Diese
Luftmassengrenze trennte feucht-kalte Luft auf der Nordostseite von
feucht-milder Luft über der Südwesthälfte Deutschlands. Unsere Region in
Ostbayern lag dabei exakt an der Luftmassengrenze wo die ergiebigsten Niederschläge
deutschlandweit auftraten. Zudem stauten sich am Bayerwald die Wolken, was zu
noch höheren Niederschlagsmengen führte. Alleine bis zum 03.02.2023 konnte die
Wetterstation Eggerszell satte 72,6 Millimeter Niederschlag registrieren, was
den feuchtesten Februarbeginn seit Aufzeichnungsbeginn 2007 bedeutete. Die langjährige
Februarniederschlagsmenge wurde damit bereits in den ersten drei Tagen über 15
Millimeter überschritten. Mit einer Tagesniederschlagsmenge von 42,8 Millimeter
konnte am 02.02.2023 der nasseste Februartag seit Messbeginn registriert
werden.
Ruhiges und
trockenes Hochdruckwetter vom 04. bis 17.02.2023
Ab dem 04.02.2023 beruhigte sich das Wetter erheblich, denn es stellte
sich nachhaltig eine trockene Hochdruckwetterlage ein. Vom 04. bis 17.02.2023 herrschte
durchwegs winterlich-kaltes und trockenes Wetter mit nächtlichen Tiefstwerten
bis minus 9 Grad Celsius und Höchsttemperaturen meist zwischen minus zwei und
plus zwei Grad Celsius. Beinahe durchwegs lagen die Tagesmitteltemperaturen,
während diesen kältesten Wetterabschnitts des Monats, deutlich im negativen
Bereich zwischen minus einem und minus vier Grad Celsius. Die tiefste
Temperatur des Monats wurde in den Morgenstunden des 08.02.2023 mit minus 8,6
Grad Celsius vermeldet. Jener Tag brachte mit minus 4,1 Grad Celsius auch den
tiefsten Tagesdurchschnitt. Während es bis zum 10.02.2023 täglich reichlich
Sonnenschein gab, sorgte ab dem 11.02.2023 beständiger zäher Nebel für sehr
trübes Wetter. Am 14. und 15.02.2023 kam es aufgrund einer starken
Inversionswetterlage zu massiven Wetter- und Temperaturkontrasten innerhalb des
Landkreises Straubing-Bogen. Während in Lagen unterhalb ca. 700 m Höhe
verbreitet trübes Nebelwetter mit Dauerfrost herrschte, gab es auf den
Hochlagen über der Nebelsuppe jeweils Sonnenschein-satt von früh bis spät bei
Temperaturen bis zu 9 Grad Celsius. Besonders markant ausgeprägt waren die
Kontraste am 15.02.2023, als die Höchsttemperatur in Eggerszell bei dichtem
Dauernebel nur auf minus 1,6 Grad Celsius anstieg. Dagegen konnten auf den
umliegenden Kammlagen in St. Englmar auf Höhenlagen zwischen 800 und 1100 m bei
strahlendem Sonnenschein knapp über 9 Grad Celsius gemessen werden. Es war
somit am 15.02.2023 tagsüber in Eggerszell um durchwegs über 10 Grad Celsius
kälter als auf den Kammlagen über 1000 m Höhe. Die Ortschaft Eggerszell war an
jenem Tag für längere Zeit der kälteste bewohnte Ort (mit Messungen belegt) in
Deutschland. Selbst auf der Zugspitze, Deutschlands höchstem Gipfel, war es an
diesen Tagen zeitweise deutlich milder als in den ostbayerischen
Dauernebelgebieten. Das ostbayerische Nebelmeer, welches sich entlang und im
Umfeld der Donau erstreckte, fungierte zu Monatsmitte als gigantischer
Kaltluftsee und machte die Straubinger Region in diesem Zeitraum regelrecht zum
Gefrierschrank Deutschlands. Am 15.02.2023 war Straubing deutschlandweit die
einzige Wetterstation im Wettermessnetz des Deutschen Wetterdienstes, welche
mit minus 0,3 Grad Celsius Dauerfrost verzeichnete.
Unbeständiges und
sehr mildes Westwindwetter vom 18. bis 24.02.2023
Ab dem 18.02.2023 gelangten von Südwesten her sehr
milde Luftmassen vom Atlantik nach Mitteleuropa, welche die Schneedecken bis in
höhere Bayerwaldlagen hinauf allmählich abtauen ließen. Lediglich oberhalb rund
1000 Meter Höhe konnte sich der Schnee halten. Die Höchstwerte erreichten
aufgrund der milden südwestlichen Höhenströmung vom 18. bis 24.02.2023 zwischen
acht und 13 Grad Celsius und die Tagesmittelwerte reihten sich zwischen sieben
und neun Grad Celsius ein. Während dieser mit Abstand mildesten Wetterphase im
Monat gab es auch nachts keinerlei Luft- oder Bodenfrost zu verzeichnen. Den
Monatshöchstwert sicherte sich der 22.02.2023 mit 13,2 Grad Celsius. Die
höchste Tagesdurchschnittstemperatur brachte mit 9,3 Grad Celsius jedoch der
18.02.2023 zu Stande. Unter dem Einfluss von atlantischen Tiefausläufern kam es
wiederholt zu teils kräftigen Regenfällen.
Übergang zu
Spätwinterwetter zum Monatsende
Das milde Westwindwetter brach ab dem
25.02.2023 zusammen und wurde anschließend von einer Nordostwetterlage
abgelöst. Zwischen einem umfangreichen Hochdruckgebiet über den Britischen
Inseln und Tiefdruckgebieten über Nordosteuropa strömte vom 25.02.2023 bis
Monatsende von Nordosten her kalte Luft polaren Ursprungs in unsere Region ein,
welche den Spätwinter zurückbrachten. Am 25. und 26.02.2023 kam es zu einigen
kräftigen Schneeschauern, sodass sich für den Rest des Monats nochmal eine bis
zu acht Zentimeter dicke geschlossene Schneedecke in Eggerszell ausbilden
konnte. Mit Tagesmittelwerten um minus zwei Grad Celsius und Höchstwerten nur
um jeweils ein Grad Celsius verliefen die letzten vier Februartage im Vergleich
zum langjährigen Mittel deutlich zu kalt. Sonnig und trocken-kalt klang der
Monat schließlich am 28.02.2023 aus. Der Monatsletzte war mit einer
Sonnenscheindauer von 9 Stunden und zwölf Minuten der sonnenscheinreichste.
Mit einer Gesamtniederschlagsmenge von 96,4
Millimeter liegt ein deutlich zu nasser Februar hinter uns. Die langjährige
Februarniederschlagsmenge beträgt in Eggerszell nämlich lediglich 60
Millimeter. An 12 Tagen konnten dabei messbare Niederschläge registriert
werden. Temperaturtechnisch schloss der Monat mit einer Durchschnittstemperatur
von 1,5 Grad Celsius deutlich zu mild ab. Die Abweichung gegenüber dem langjährigen
Mittel lag bei rund zwei Grad Celsius. In einem normalen Februar liegt die
Mitteltemperatur in Eggerszell bei -0,5 Grad Celsius. Die mittlere
Tiefsttemperatur belief sich auf minus 1,4 Grad Celsius und die
durchschnittliche Maximaltemperatur betrug 4,5 Grad Celsius, was ebenfalls den
markant zu milden Wintermonat aufzeigt. Es gab 17 Frosttage und an 3 Tagen
konnte Dauerfrost vermeldet werden. Der Temperaturfühler knapp über dem
Erdboden zeichnete an 19 Tagen Bodenfrost auf. An sechs Tagen stieg die
Höchsttemperatur auf über 10 Grad Celsius an. Die stärkste Windböe wurde am
Nachmittag des 03.02.2023 mit 64,4 Kilometer pro Stunde verzeichnet. Mit einer
mittleren Windgeschwindigkeit von 8,1 Kilometer pro Stunde lagen wir genau im
Bereich des langjährigen Windmittels. Das Soll bezüglich Sonnenscheindauer
wurde mit 87 Sonnenstunden genau erfüllt.
Wetterstation Eggerszell / Vorderer Bayerischer Wald / Landkreis Straubing-Bogen / 490 m ü. NN